Tag 9

Mein Hundebuch

Ein Tagebuch und mehr

 

DRUM PRÜFE WER SICH EWIG BINDET

Tagebuch - Tag 9

Bin erst gegen 8 Uhr nach Hause gekommen (schlafe ja in meiner eigenen Wohnung). Heike war noch im Bett. Sari lag auch da. Um sieben waren sie mal kurz draussen. Sari hat aber nur Pippi gemacht. Dann war aufstehen augesagt. Heike wie gewohnt gemütlich unter die Dusche. Ich habe noch am PC gearbeitet und mich schon gewundert, warum Sari ins Bad wollte. Sonst wenn sie drinne war wollte sie immer raus.

Kurz danach wusste ich es. Ein Riesenhaufen Scheiße lag wieder mal bei Heikes Schreibtisch. Es ist schon erstaunlich was so ein Hund für Haufen setzt. Haüfchen kann man da definitiv nicht mehr sagen. Hab ich also weggeräumt. Zu warten bis Heike aus ihrem Bad kommt und das macht, war mir zu blöd. Obwohl es eigentlich nur konsequent gewesen wäre. Vielleicht war es auch einfach nur die Marke "Eau de Cake" die mich überredete, denn den Haufen noch lange liegen zu lassen, wäre heftig gewesen.

 

Es ist schon erstaunlich und irgendwo auch lustig, den Unterschied zwischen Hund und Mensch zu beobachten. Wenn ich Heike etwas sage, und da kann ich zehn mal Recht haben, es wird regelmäßig geflissentlich ignoriert. Und wenn ich mir erlaube dann einen Anschiß zu geben, da kommt aber mindestens das Doppelte zurück. Zumindest eine ziemlich unwirsche Reaktion ist normal. Beim Hund ist es so easy. Der macht seine Meinung kund und wenn du seine Bedürfnisse nicht beachtest, dann gibt es auch einen Anschiß. Aber einen richtigen. Der setzt dir nämlich einfach einen Haufen vor die Füße. Aber die Reaktion ist dann komischerweise eine ganz andere.

Für mich ist vor allem eines Fakt: der Hund braucht einen festen Rhythmus. Man kann nicht einfach mal entscheiden, heute bleib ich mal ein-zwei Stunden länger im Bett. Der Hund muss nun mal raus. Oder er löst das Problem auf seine Weise.

 

Der Rest läuft jetzt ruhig. Beim Früstück machte sie problemlos Platz auf ihrer Liegestelle. Danach sind wir einkaufen gefahren. Das muss sie auch lernen. Einsteigen ins Auto wollte sie nicht. Also mehr reinheben. Dafür klappte das Aussteigen dann wunderbar. Und dann schnell auf den nächsten freien Platz und eine Pfütze gemacht. Das war garantiert die Aufregung die sich entladen hat. Heike ging in den Laden, ich ging mit ihr etwas spazieren – sozusagen die Belohnung für die Autofahrt. Mal schauen wie schnell sie das mit dem Einsteigen ins Auto hinbekommt.

 

Ich hör sie gerade wieder fiepen – mal schauen was los ist.

 

Heute nachmittag waren Heike, Sari und mein Neffe kurz spazieren. Kurz. Denn Sari ist wohl etwas hysterisch geworden und hatte es sogar geschafft sich aus dem Geschirr zu befreien. Heike erzählte mir dann nur, das es mal wieder zu viel wurde. Sie waren durch die Schloßanlage gegangen und kurz vorm Ausgang kam dann einer dieser typischen Radfahrer wie ein Nasser um die Ecke geschossen. Sari natürlich erschrocken und gleich Panik bekommen. Dummerweise standen in allen Richtungen irgendwelche Leute und Personal rum und machtn auch noch alles dicht und laut. Aber anstatt den Hund erst einmal richtig zu beruhigen, ging Heike mehr oder weniger einfach weiter. Bis mein Neffe auf die tolle Idee kam Steine auf ein paar Flaschen zu werfen die auf den Glascontainern standen. Heike sagte zwar noch er soll es lassen, aber zu spät. Sari jedenfalls so durchgedreht, das sie sich losriss und sich dann in irgendeinem Brennesselgebüsch versteckte.

Zur Strafe musste Heike hinterher und ihr das Geschirr wieder umlegen. War nicht nett. Ihre Unterarme sahen hinterher aus, als hätten 200 Mücken gleichzeitig gestochen. Alles voller Schwellungen.

 

Ich hab es ihr noch einmal erklärt was falsch lief - mal sehen was die Zukunft bringt. Ich denke das Kernproblem ist, das Heike denkt sie könnte alles mit Liebe lösen. Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber ein Welpe braucht vor allem Führung und Sicherheit. Und solange Heike selber unsicher ist und nicht bestimmt und sicher reagiert, hat der Hund auch nicht die nötige Sicherheit und das Vertrauen das er braucht.

 

Nachmittag hatte sie dann wieder Termin mit ihren Klienten. Prompt musste Sari dann Gassi. Zum Glück (oder Pech für mich) war ich gerade im Garten und habe mich großzügig des Hundes angenommen. Ich habe die Chance genutzt und bin noch mal mit Sari durchs Schloß und hab mit ihr spazierengehen geübt. Vorallem auch das Gezerre müssen wir ihr abgewöhnen. Ich kann das ja noch gut machen, aber Heike ist ja etwas zierlicher und ihr schmerzen schon die Schultern von dem Gezerre. Also hab ich mit Sari geübt. Immer wenn sie zu sehr zog, gab es „STOP“ und sie musste stehenbleiben bis ich wieder „KOMM“ sagte. Langsam hat sie das am Ende auch schon kapiert. Aber wir müssen sicher noch viel üben. Immerhin ist sie ja auch ein Welpe und hat entsprechenden Bewegungsdrang. Aber im Wald kann sie ja freier laufen.

 

Nächste Woche will Heike mit einer Bekannten aus der Nähe gemeinsam zur Welpenschule. Da werden sie hoffentlich beide viel lernen. Naja, es wird schon werden.